14. April 2014

... WO SIE IHREN UNZÄHLIGEN WÜNSCHEN FREIEN LAUF LASSEN.



Ohne Titel: 2013, © Sabrina Schieke


... "Durch diese Mutation wird der Text bewohnbar wie eine Mietwohnung. Sie verwandelt das Eigentum des Anderen für einen Moment in einen Ort, den sich ein Passant nimmt. Mieter führen eine ähnliche Operation in der Wohnung durch, die sie mit ihren Gesten und ihren Erinnerungen möbliieren; Redner machen etwas ähnliches in der Sprache, in der sie durch ihren Akzent, durch ihre eigenen "Wendungen" die Botschaften ihrer Muttersprache und ihre eigene Geschichte einfließen lassen; und auch die Fußgänger machen auf den Straßen etwas ähnliches, wo sie ihren unzähligen Wünschen und Interessen freien Lauf lassen."


Michel de Certeau: Kunst des Handelns 1980 


11. November 2013

DAS BETT #3

Das Bett #3: Filzstift auf Papier 2013, © Sabrina Schieke






































Sabrina: In den letzten Monaten bin ich nicht dazu gekommen regelmäßig etwas zu posten. Ich habe zusammen mit meiner Schwester einen Projektraum im Wedding aufgemacht.
Wir haben verschiedene Künstler gebeten ihre Arbeiten zu zeigen. Immer im Wechsel von 10 Tagen gibt es also eine Eröffnung. Das ist ein anderes Arbeiten aber ich versuche immer wieder verschiedene Positionen zusammen zubringen um auch meine Vorstellung von einer Ausstellung zu zeichnen.

19. Juni 2013

DAS BETT # 2

Das Bett # 2: Filzstift auf Papier 2013 , © Sabrina Schieke








































Sabrina: Es geht bei einer künstlerischen Arbeit natürlich immer auch um Passgenauigkeit oder wenn man so will, um Genauigkeit oder Konsequenz. Und das stimmt schon. Man sollte die Arbeit „fest in der Hand halten“. Das Problem besteht eher darin, dass ich meine Arbeit erwürgen werde, wenn ich zu fest zudrücke. Das heißt, ich suche mir ein Material, von dem ich denke, das es meinen intendierten Inhalt aufnimmt. Ich bin der Meinung das Material hat diese Fähigkeit an sich nicht. Sondern der Umgang mit dem Material macht es erst zu einem Container, der einen bestimmten Inhalt aufnehmen kann. Passgenauigkeit heißt in diesem Zusammenhang, dass formale Konsequenz auch einer Ungenauigkeit bedarf.

7. Juni 2013

SCHRIFTBILD

Foto: Schrifttapete (Holzschnitt / Model auf Tapete) 2004, © Sabrina Schieke


 

TAPETE | DRUCK | SCHRIFTBILD

 

Sandra: Vorsichtig mit dem Text umgehen? Was genau meinst du damit?

Sabrina:
Die Arbeit mit dem Text darf nicht illustrativ werden.  
Ich will keine Bilder zum Text finden, sondern die Bilder aus dem Text und aus der Beschäftigung mit dem Text heraus entwickeln. Ich sehe den Text als mein Umfeld, in dem ich mich bewege. Ähnlich wie ich mich durch meine Wohnung bewege und die Zimmer bewohne, ist das Abschreiben mit der Schablone für mich wie die Suche nach einer passgenauen Form für den Text. Das versuche ich zu verdeutlichen.


24. Mai 2013

SCHREIBEN







Sandra: Verschreibst du dich auch manchmal? Oder gibt es so etwas wie eine Schreibblockade?

Sabrina:
Tatsächlich gibt es so etwas wie eine Blockade, von Zeit zu Zeit. Am Anfang habe ich das ignoriert weil ich es für nicht möglich hielt. Da ich den Text ja nicht mehr schreiben muss. Der Autor hat das schon für mich getan. Dennoch gibt es Tage an denen will mir nix gelingen. Dann verschreibe ich mich am Ende des Blattes und das ist immer sehr ärgerlich. Ich muss dann ein komplett neues Blatt beginnen. Ich radiere ja keine Fehler aus den Blättern.

19. April 2013

DAS BETT


Das Bett. Filzstift auf Papier 2012, © Sabrina Schieke








































Sandra: Hast du eine bestimmte Reihenfolge, in welcher du die Schrift innerhalb deiner Wohnung anbringst?


13. April 2013

MODELL


Modell. 2013, Pappe, Kopien © Sabrina Schieke

11. März 2013

AUFEINANDERFOLGENDE RÄUME


Eine Wohnung lässt sich durch eine begrenzte und aufeinanderfolgende Anzahl von Zimmern beschreiben. Jedes dieser Zimmer ist je nach seiner Funktion eingerichtet und innerhalb der Wohnung angeordnet. So steht man im Flur, wenn man die Tür hinter sich schließt. Diese Anordnung kann geringfügig variieren, bleibt im Grunde aber immer die gleiche. Ich kenne wenige, die in ihrer Küche ein Bett zu stehen haben. Duschen ja aber Schlafmöbel eben nicht.

Komisch ist das schon das sich diese Gewohnheiten nicht ändern. Dass das Wohnen eine so altmodische und starre Angelegenheit zu sein scheint.
"Ein Schlafzimmer ist ein Raum, in dem ein Bett steht; [...] eine Küche ist ein Raum, in dem es einen Herd und einen Wasseranschluss gib [...]."

























26. Januar 2013

EIN KLENES RÄTSEL

Foto: Flur, 2013 © Sabrina Schieke

 

DIE WOHNUNG | EIN KLEINES RÄTSEL


Georges Perec charakterisiert eine Wohnung durch folgendes Paar:
„Jede Wohnung besteht aus einer veränderlichen, aber begrenzten Anzahl von Räumen;
Jeder Raum hat eine besondere Funktion.“
Bei der Gestaltung sowie der Funktionsbestimmung von Wohnraum besetzt die Architektur eine Schlüsselposition. Die Frage, was Architektur zur Kunst erheben kann oder vom bloßen Bauen unterscheidet, ist für Georges Perec nicht von Belang. Er will nicht diskutieren, wo das Funktionale an einem Bau beginnt oder aufhört. 

7. Januar 2013

SCHRIFT | SCHABLONE | SCHNÖRKEL | TYPE

Foto: Flur, 2013, © Sabrina Schieke


Sandra: Ist es richtig, wenn ich unseren bisherigen Dialog so zusammenfasse, dass die Arbeit die du gerade entwickelst, durch Vereinfachung, immerhin nutzt du ja eine DIN Schriftschablone, alle störenden Schnörkel entfernt? 

Sabrina:

Schnörkel ist nicht das richtige Wort, das die Art von Schriftbild beschreibt, die ich mir vorstelle. Das würde auch mit Schnörkeln oder Serifen funktionieren.

23. Dezember 2012

VORWORT | DIE SEITE | DAS BETT | DAS SCHLAFZIMMER | DIE WOHNUNG


Türen | Treppen | Wände


Für mich sind Georges Perecs Texte eine dichte Beschreibung von Einzelheiten der uns umgebenden Wirklichkeiten. Die Wirklichkeiten, in denen wir uns bewegen, sind an Personen, Orte und Zeitpunkte geknüpft. Sie (Die Wirklichkeiten) sind persönliche Wirklichkeiten - Alltäglichkeiten.

Aber sehen wir diese im täglichen Leben - Alltag noch? 
Verengt uns die Organisation unserer Lebensbasis nicht den Blick dafür?

Eine minutiöse Beschreibung dieser Fragestellung, d.h. der Wahrnehmung der Orte an denen wir uns befinden und der Zeiten in denen wir agieren, findet sich in Georges Perec Werk Träume von Räumen.
„Leben heißt, von einem Raum zum anderen gehen.“
Die Wohnung, das Mietshaus, die Straße sind Orte, die wir jeden Tag durchqueren, in bestimmten Reihenfolgen nach bestimmten Zwecken gestaffelt. Im allgemeinen würde Mensch sagen, wir bewohnen diese Orte. Ich bewohne. Ich bereite mich in meiner Wohnung auf den Tag vor. Ich wasche mein Gesicht. Ich ordne die Kleidung und kämme das Haar. Ich trete in den Flur des Mietshauses, binde meine Schuhe, trete auf die Straße und eile durch die Stadt.
„Man hat noch nichts betrachtet, man hat nur das bemerkt, was man seit langem schon bemerkt hatte.“

1. November 2012

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Sabrina:
Ich habe den Text nicht geschrieben. Ich habe ihn gefunden. Ich bedaure es nicht das Ich nicht in der Lage bin etwas so Gutes zu schreiben. Warum auch?
Du hast bestimmt die Arbeit von Robert Montgomery gesehen. Sie war ja in den letzten Monaten innerhalb Berlins überall. Ich mag seinen Umgang mit Text sehr. „Zu romantisch“, sagen viele aber ich finde sie sehen dann auch nicht die strenge und formale Konsequenz, die eine solche Romantik vielleicht auch bedeuten kann.

Foto: Die Seite. Filzstift und Papier 2012, © Sabrina Schieke

12. Oktober 2012

SCHABLONE



Foto: Sandra Schieke, 2012, ©  Sandra Schieke



Sabrina:
Ich möchte mich gern noch einmal auf ein Komentar vom 29.September 2012 beziehen.
"... vorallem wenn sein Labyrinth der Wörter dadurch nicht illustriert, sondern übertragen wird."

29. September 2012

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Foto: Die Seite. Filzstift und Papier 2012, © Sabrina Schieke


































7. September 2012

SEITE 3

3



Foto: Die Seite. Filzstift und Papier 2012,© Sabrina Schieke





































16. August 2012

DIE SEITE



Foto: Die Seite. Filzstift und Papier 2012, © Sabrina Schieke






















Sandra: Wie nimmst du das Verhältnis von der im Text beschriebenen Zeit und der Dauer des Abschreibens war?

Sabrina:
Manchmal sitze ich Stunden lang um einen Absatz mit der Schablone abzuzeichnen für den ich, wenn ich ihn lesen würde nicht einmal vier Minuten bräuchte. Dann habe ich vielleicht zehn Blätter für dreißig Zeilen beschrieben.
Was ich sagen möchte ist, das Tempo verändert sich. Der Text wird durch das abschreiben/ abzeichnen entschleunigt. Die Zeit, die ich mit dem Text verbringe, schlägt sich auf der anderen Seite in der wachsenden Anzahl der Blätter nieder.


2. August 2012

Finnisage


Seit zwei Wochen ist ein Teil der Arbeit "Träume von Räumen", auf einer Litfaßsäule, am Mauerpark in Berlin zu sehen. Hier ein paar Bilder davon wie die Arbeit präsentiert wird ...



Foto: Sandra Schieke, 2012 
© Sandra Schieke

20. Juli 2012

Eröffnung: Kunst braucht Fläche

Kunst braucht Fläche heißt das Ausstellungsprojekt, mit welchem die AV AUSSENWERBUNG GMBH & CO KG 18 verschiedene künstlerische Positionen innerhalb des Stadtraums Berlin präsentiert.

Von den Künstlern werden vom 21.07.2012 bis zum 05.08.2012 Stadtmöbel wie Plakatflächen und Litfasssäulen
genutzt um ihre Arbeiten an verschiedenen Orten zu zeigen oder dort erst entstehen zu lassen.

http://www.av-tour.de/kunstprojekte


Danke an die AV AUSSENWERBUNG 




Foto: Sabrina Schieke, 2012
Litfasssäule Mauerpark © Sabrina Schieke














13. Juli 2012

ODER AUCH


Foto: Vorwort. Filzstift und Papier 2012, © Sabrina Schieke














































































29. Juni 2012

ODER, FALLS MAN DAS VORZIEHT:




Foto: Vorwort. Filzstift und Papier 2012, © Sabrina Schieke







































Sandra: Kannst du bitte genauer erklären, was du mit "Behälter an Zeit, den der Text mitbringt" meinst?

Sabrina:
Es ist ja nicht nur die reine Lesezeit. Ich denke, dass jedes Buch auch ein Behälter an Zeit ist.

Es gibt Bücher die lese ich seit Jahren immer wieder. Das werden dann irgendwann so abgeliebte, abgegriffene Dinger. Man sieht ihnen die Beschäftigung mit dem Text an. 

Auf der anderen Seite war das Lesen des Textes jedes Mal anders. Weil ich bei jedem Lesen etwas anderes vom Text wollte oder der Text mir etwas anderes gegeben hat. Der Mensch kann mit bestimmten Texten wie mit einem Kalender durchs Jahr gehen. Denn der Text beschreibt auch Zeit. Manchmal vergehen Jahrhunderte auf nur 300 Seiten.